Die Billig-Airline SkyEurope streicht alle Flüge und stellt den Konkursantrag. Die Konkurrenz matcht sich um die Rückholung der Gestrandeten.
Eigentlich war es zu erwarten, dass SkyEurope bald einmal ex geht. Wir haben aber gehofft, dass es uns nicht erwischt", brachte Fluggast Niki Stadler, der an seinem 23. Geburtstag in Dubrovnik gestrandet ist, die Meinung der Passagiere auf den Punkt.
Ärger gab es allerdings bei vielen über die mangelnde Information und dass SkyEurope bis vor wenigen Tagen sogar noch Tickets um neun Euro (plus einen weiteren Freiflug) angeboten hat. "Da ging es offensichtlich nur mehr ums Abcashen", ärgert sich Stadler gegenüber dem KURIER.
17 Stunden Bahnfahrt
Wie viele Österreicher tatsächlich im Ausland festsitzen, ist unklar - Tausende Gestrandete sind es jedenfalls. Für Eva Kindl aus Ebenfurth, NÖ, war die Misere nur schwer abschätzbar, da sie bereits vor Monaten gebucht hatte. "Ich kam bereits vor drei Monaten nach Nizza, weil ich hier mit meiner Schulkollegin ein Praktikum absolvierte", sagt die 17-jährige Tourismus-Schülerin. Just am Tag ihrer Heimreise rutschte der Billig-Flieger in die Pleite. Erschwerend kam hinzu, dass sie kürzlich bestohlen wurde und derzeit keine Kreditkarte hat. "Wir haben gar nicht versucht, auf dem Flughafen einen Heimflug zu ergattern." Kindl wählte daher die - strapaziöse - Heimfahrt mit der Bahn. Die Fahrzeit: "17 Stunden - und in Mailand haben wir dazwischen gerade einmal zehn Minuten Zeit, unsere Tickets nach Österreich zu lösen."
Lauffeuer
Die Nachricht von der Pleite verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Viele, die am Dienstag in den Urlaub aufbrechen wollten, waren gewarnt. Aber eben nicht alle: "Man glaubt gar nicht, dass so etwas passieren kann, dass die ihre Passagiere so im Regen stehen lassen." Johanna Resl, 18, steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Gemeinsam mit ihrer Familie wollte sie zehn Tage in Athen verbringen, 500 Euro kosteten die Tickets. Dienstag stand die Tiroler Familie verloren vor dem verwaisten SkyEurope-Schalter in Schwechat. "Aber was soll man machen", nimmt es Richard Resl, 43, mit Humor - und stellt sich am Last-Minute-Schalter an, um Ersatz zu bekommen.
"Die Passagiere wurden nicht rechtzeitig informiert, keine eMail, gar nichts", ist die Eisenstädterin Ingrid Szekely, 60, verärgert. Statt Alicante und Spanischkurs wird es nun ein spontaner Türkei-Badeurlaub.
Am Flughafen in Bratislava erfuhren am Montagabend rund tausend Urlauber kurz vor ihrem Abflug vom "Aus" der Airline - und praktisch ihres Urlaubs. Noch Dienstagfrüh "strandeten" am Flughafen Letisko Bratislava erneut Urlauber aus halb Europa, die mit Bussen von Schwechat angekarrt worden waren. Lediglich ein Aushang in acht Sprachen wies die Reisenden darauf hin, dass nichts mehr geht. Das Personal von SkyEurope verließ fluchtartig seine Arbeitsplätze.
Rückholung
Umso mehr Betrieb ist derzeit bei der Konkurrenz, die sich nun ein Match um die Rückholung der Gestrandeten liefert. Die AUA, Fly Niki, Ryanair und andere Airlines bieten "Billig"-Rückflüge an. "Wir rechnen mit Hunderten Passagieren", sagt Pia Stradiot von der AUA. Zusätzliche AUA-Flüge sind nicht geplant. Selbst nach der Pleite der Discounter-Airline herrscht rege Nachfrage nach den günstigen Rückflugtickets. Stradiot: "Unsere Hotline läuft auf Hochtouren."
Im Gegensatz zu SkyEurope: Dort herrscht Funkstille, die Hotline wurde stillgelegt.
Unternehmen
Die große Frage für das Unternehmen und dessen 700 Mitarbeiter ist nun: Bleibt der slowakische Low-Cost-Carrier für immer am Boden und wird liquidiert oder gibt es doch ein Weiterleben nach Abwicklung des Konkurses? Airline-Experten sehen keine Zukunft mehr. Die Marke sei beschädigt und billige Flugzeuge gibt es angesichts der Luftfahrtkrise mehr als genug. "Es wäre wesentlich einfacher, eine Airline neu zu starten als SkyEurope zu übernehmen", glaubt Billig-Airliner Niki Lauda nicht an eine rettende Übernahme.
Das Management von SkyEurope versucht derzeit verzweifelt, doch noch eine Überbrückungsfinanzierung von rund fünf Millionen € über eine Investorengruppe aufzustellen. Ob dies gelingt, wird selbst im Unternehmen als "schwer absehbar" bezeichnet.
Am Montag hatten sich die Ereignisse zugespitzt. Die Flughäfen Prag und Bratislava sowie Treibstofflieferanten wollten Bares sehen. Die Verhandlungen über eine kurzfristige Finanzierung zerschlugen sich, weshalb SkyEurope "ziemlich überraschend" (Sprecher Roland Schranz) den Konkursantrag stellen musste.
Quelle: kurier.at | N. Amara, F. EdeR, O. Jaindl, D. Schreiber und M. Stingl
Foto: Wikimedia Commons
• Geschrieben von Newsteam am 02.09.09 um 6:45 Uhr
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